Italien und USA – politische Marktrisiken von beiden Seiten des Atlantiks

Italien und USA – politische Marktrisiken von beiden Seiten des Atlantiks
07.03.18

• Insgesamt dürften italienische Anlagen aufgrund des Ausgangs der dortigen Parlamentswahlen kurzfristig eine gewisse Schwäche zeigen. • Auf andere europäische oder gar die globalen Märkte sollte dies jedoch keine Auswirkungen haben. • Es sieht eher so aus, als ob die größten politischen Risiken für die Märkte in diesem Jahr aus den USA kommen, nicht aus Europa. • Die Parlamentswahlen am 4. März in Italien sind kein großes Marktthema – unserer Ansicht nach sollten Anleger jedoch nicht allzu unbesorgt sein. • Italiens Hauptproblem ist weiter eine niedrige potenzielle Wachstumsrate – Strukturreformen sind die einzige Hoffnung, um ein höheres Wachstum zu erzielen und die Schuldenquote von 132 Prozent zu senken. • Die Umsetzung solcher Reformen erfordert eine starke und stabile Regierung, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Italiener eine solche Regierung wählen, scheint eher gering. • Trotzdem könnte es einen Kompromiss zwischen höherer fiskalischer Flexibilität und stärkeren strukturellen Reformbemühungen geben.

Ewout van Schaick, Head of Multi-Asset bei NN Investment Partners:

Die Präsidentschaftswahlen in Frankreich sind fast ein Jahr her, und seitdem nahmen die politischen Risiken in Europa ab. Einige Marktteilnehmer haben befürchtet, dass diese Zeit der relativen politischen Ruhe seit gestern mit dem SPD-Mitgliederentscheid in Deutschland über die große Koalition und den Parlamentswahlen in Italien zu Ende gehen könnte. Für Deutschland waren diese Befürchtungen unbegründet, zwei Drittel der SPD-Mitglieder haben für die große Koalition gestimmt, die neue Regierung dürfte nun in wenigen Wochen stehen.

Das Ergebnis der italienischen Parlamentswahlen ist weniger eindeutig, aber im Rahmen dessen, was wir erwartet haben. Das vorläufige Ergebnis zeigt ein Parlament ohne klare Mehrheitsverhältnisse. Das Mitte-Rechts-Bündnis wird mit rund 36% stärkste Kraft, die Fünf-Sterne-Bewegung ist mit 33% die stärkste Einzelpartei und das Mitte-Links-Bündnis ist mit nur rund 23% der Wahlverlierer. Eine Überraschung ist die Tatsache, dass im Mitte-Rechts-Bündnis die Lega zum ersten Mal deutlich mehr stimmen hat als Forza Italia. Das lässt darauf schließen, dass das Bündnis noch etwas populistischere Töne anschlagen wird. Ebenfalls interessant ist, dass die Lega und die Fünf-Sterne-Bewegung zusammen eine Mehrheit hätten. Auch wenn eine Koalition dieser beiden Parteien extrem unwahrscheinlich ist – völlig auszuschließen ist sie nicht.

Es bleibt abzuwarten, wie die Märkte auf die beiden politischen Ereignisse in Deutschland und Italien reagieren werden. Zwar ist ein Parlament ohne klare Mehrheiten für Italien eine schlechte Aussicht, da es zu einer schwachen Regierung führen könnte, die nicht in der Lage sein wird, wichtige Reformen umzusetzen. Allerdings war dieses Szenario von den Märkten mehrheitlich erwartet worden, sodass es nun niemanden überraschen dürfte. In jedem Fall dürften eine Regierungsbildung und/oder Neuwahlen einige Monate benötigen.

Insgesamt erwarte ich, auch aufgrund der starken Gewinne der populistischen Parteien, dass italienische Anlagen kurzfristig eine gewisse Schwäche zeigen werden. Auf andere europäische oder gar die globalen Märkte sollte dies jedoch keine Auswirkungen haben. Einerseits erlebt die italienische Wirtschaft gerade einen starken zyklischen Aufschwung und andererseits sind die anti-europäischen Parteien in Italien rhetorisch deutlich zurückhaltender geworden und fordern kein Euro-Referendum mehr. Diese beiden Faktoren dürften die politische Unsicherheit, die in Italien in den kommenden Monaten zu erwarten ist, aus Marktsicht abfedern.

Insgesamt sieht es daher seit neuestem wieder eher so aus, als ob die größeren politischen Risiken auf der anderen Seite des Atlantiks deutlich zunehmen. Die ernsthaften negativen politischen Überraschungen für die Märkte könnten in diesem Jahr aus den USA kommen, nicht aus Europa.

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Über den Autor

Ewout van Schaick

Ewout van Schaick

Head of Multi-Asset

Erfahrung seit 1997

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