MIT-Studie: Institutionelle Anleger sollten Allokation in Schwellenländeranleihen erhöhen

MIT-Studie: Institutionelle Anleger sollten Allokation in Schwellenländeranleihen erhöhen
11.10.18

• Eine Studie der Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) hat ergeben, dass der Anteil von Schwellenländeranleihen in einem Fixed-Income-Portfolio in einem Umfeld mit steigenden Zinsen optimalerweise zwischen 8% und 35% liegen sollte • Der Anteil von Schwellenländeranleihen in globalen Anleiheindizes liegt bei nur 2 – 6% • Schwellenländerhochzinsanleihen in Hartwährung weisen das größte Potenzial auf

Im laufenden Jahr sind die Kurse von Schwellenländeranleihen durch den starken US-Dollar und andere technische Faktoren niedrig gehalten worden. Bietet die Anlageklasse, auch angesichts steigender Zinsen und der Normalisierung der Geldpolitik in den entwickelten Märkten, nun gute Kaufgelegenheiten?

Eine kürzlich von Studenten der Sloan School of Management am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Zusammenarbeit mit NN Investment Partners (NN IP) durchgeführte Studie[1] zeigt, dass der optimale Anteil von Schwellenländeranleihen in einem Fixed-Income-Portfolio in einem Umfeld mit steigenden Zinsen zwischen 8% und 35% liegt, abhängig von nach Risikotoleranz der Investoren.

Im Rahmen der Studie wurden die Risiko-Ertrags-Profile verschiedener Fixed-Income-Anlagen in Zinsanstiegsphasen in den vergangenen 15 Jahren miteinander verglichen. Anschließend wurde ermittelt, wie hoch die optimale Allokation eines Fixed-Income-Portfolios in Schwellenländeranleihen bei unterschiedlichen, fest definierten Verlusttoleranzen für das Gesamtportfolio ausfallen müsste. Die Studie kam zu dem Schluss, dass selbst Anleger mit der niedrigsten Drawdown-Toleranz (0% auf Sicht von einem Jahr) von einer Allokation von 8% in Schwellenländeranleihen profitieren würden. Bei einer moderaten Drawdown-Toleranz von -5% steigt die Allokationsempfehlung deutlich auf 26%. Und für Anleger, die ein Drawdown-Risiko von -15% in Kauf nehmen können, liegt der optimale Anteil bei 35%.

Tatsächlich können Schwellenländeranleihen gute risikobereinigte Renditen bieten: Die Rendite von Schwellenländerstaatsanleihen in Lokalwährung war zum Ende des vergangenen Jahres praktisch genauso hoch wie die von US-Hochzins-Unternehmensanleihen, aber das aggregierte Rating war um sieben Stufen besser. Und die Rendite von Unternehmensanleihen aus Schwellenländern war knapp 2% höher als die von US-Investment-Grade-Unternehmensanleihen, obwohl das Rating der Schwellenländeranleihen nur zwei Stufen niedriger war.[2]

Darüber hinaus weisen Schwellenländeranleihen nach Auffassung von NN IP strukturelle Vorteile auf. So lag die durchschnittliche Recovery-Quote nach einem Zahlungsausfall von Staatsanleihen aus Schwellenländern in den Jahren von 1983 bis 2016 bei vergleichsweise sehr hohen 54%. Außerdem kam es pro Jahr höchstens zu zwei Zahlungsausfällen bei Schwellenländer-Staatsanleihen, und trotz einer tendenziell hohen Korrelation der Credit Spreads mit den US-Aktienkursen stieg die Zahl der Zahlungsausfälle bei Schwellenländer-Staatsanleihen während der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 nicht wesentlich an.[3]

Obwohl Schwellenländeranleihen mittlerweile eine sehr große Anlageklasse darstellen, ihr Risiko-Ertrags-Profil in den vergangenen 15 Jahren günstig war und die Fundamentaldaten solide sind, sind die Allokationen in Schwellenländeranleihen nach wie vor gering. Eine Studie von NN IP zur Stimmung institutioneller Investoren gegenüber Schwellenländeranleihen vom März 2018 hat ergeben[4], dass institutionelle Anleger in der Regel lediglich 1 – 5% ihrer Assets in Schwellenländeranleihen investieren. Die Studie hat darüber hinaus ergeben, dass über die Hälfte aller Befragten ihre geringe Allokation in Schwellenländeranleihen damit begründen, dass sie nicht genug von dieser Anlageklasse verstehen. Drei Viertel führen außerdem die allgemeine Risikowahrnehmung als Grund für die geringe Allokation an. Zudem dürfte auch die Tendenz der Anleger zu Investitionen in den Heimatmärkten hemmend wirken.

Aber nicht nur in der Portfolioallokation der Investoren, auch in wichtigen globalen Anleiheindizes ist der Anteil von Schwellenländern niedrig: Beim Citi WGBI liegt er bei nur 2%, beim Bloomberg Global Treasury bei 3,1% und beim Bloomberg-Barclays Global Treasury bei 6,0%.[5] Der wesentliche Grund, warum Schwellenländeranleihen in globalen Anleiheindizes nur unterproportional vertreten sind, ist, dass eine Reihe von Anleihen und Ländern die Aufnahmekriterien nicht erfüllen.

Marcelo Assalin, Head of Emerging Markets Debt bei NN Investment Partners:
„Schwellenländeranleihen sind eine unterschätzte Anlageklasse. Viele Investoren haben nach wie vor unbegründete Bedenken, die sich mit einem Blick auf die Daten jedoch leicht widerlegen lassen. Schwellenländeranleihen haben in der Vergangenheit sehr attraktive Risiko- und Ertragseigenschaften aufgewiesen, und ihre höhere Verzinsung kann als Puffer dienen, wenn an den Märkten wegen des Zinsanstiegs Gegenwind herrscht.

Tendenziell werden die Risiken gerade von Schwellenländer-Staatsanleihen am Markt überschätzt. Das Risiko-Ertrags-Verhältnis ist aber für geduldige Anleger günstiger als bei sehr vielen anderen Fixed-Income-Anlageklassen.

Insgesamt bin in überzeugt, dass vor allem Schwellenländerhochzinsanleihen in Hartwährung, aber auch kurz laufende Schwellenländeranleihen und Frontier-Market-Anleihen ein sehr gutes Potenzial besitzen, andere Anleiheklassen bei steigenden Zinsen zu schlagen. Auch kürzer laufende Lokalwährungsanleihen sollten gut abschneiden.“

Quelle:
[1] MIT Sloan/NN IP. Die Studie wurde von Studierenden im Rahmen ihrer wissenschaftlichen Arbeit für das MIT Sloan 2018 Finance Research Practicum durchgeführt.
[2] JP Morgan/Bloomberg/Thomson Reuters Eikon/NN IP
[3] Moody’s/NN IP
[4] PollRight hat im Auftrag von NN IP im März 2018 weltweit 108 professionelle Anleger befragt, darunter öffentliche Institutionen, Family Offices, Banken und Stiftungen.
[5] Citi/Bloomberg Barclays/JP Morgan/NN IP

Laden Sie den Artikel herunter:


Rechtliche Hinweise
Nur für die Pressenutzung. Diese Publikation dient allein Informationszwecken. Sie stellt keine Anlage-, Steuer- oder Rechtsberatung dar. Insbesondere handelt es sich hierbei weder um ein Angebot oder einen Prospekt noch um Investment Research oder eine Aufforderung zum Erwerb oder Verkauf von Wertpapieren, zur Abgabe eines Angebots oder zur Teilnahme an einer bestimmten Handelsstrategie. Obwohl die hierin enthaltenen Informationen mit großer Sorgfalt zusammengestellt wurden, übernehmen wir keine – weder ausdrückliche noch stillschweigende – Gewähr für deren Richtigkeit oder Vollständigkeit. Wir behalten uns das Recht vor, die hierin enthaltenen Informationen jederzeit und unangekündigt zu ändern oder zu aktualisieren. Eine direkte oder indirekte Haftung der NN Investment Partners B.V., NN Investment Partners Holdings N.V. oder anderer zur NN-Gruppe gehörender Gesellschaften sowie deren Organe und Mitarbeiter für die in dieser Publikation enthaltenen Informationen und/oder Empfehlungen ist ausgeschlossen. Investitionen sind mit Risiken verbunden. Bitte beachten Sie, dass der Wert der Anlage steigen oder sinken kann und die Wertentwicklung in der Vergangenheit keine Gewähr für die zukünftige Wertentwicklung bietet. Diese Publikation ist kein Angebot für den Kauf oder Verkauf von Wertpapieren und richtet sich nicht an US-Bürger gemäß Rule 902 der Regulation S des United States Securities Act von 1933 sowie an Personen in Ländern, in denen die Verbreitung solcher Materialien rechtlich verboten ist. Für alle Ansprüche im Zusammenhang mit diesem Haftungsausschluss ist niederländisches Recht maßgeblich. Für den Erwerb von NN Investmentfonds sind allein die jeweiligen wesentlichen Anlegerinformationen und die Verkaufsprospekte mit Risikohinweisen und ausführlichen Informationen maßgeblich, die Sie kostenlos  bei NN Investment Partners B.V., German Branch, Westhafenplatz 1, 60327 Frankfurt am Main, oder unter www.nnip.com erhalten.

Über den Autor

Marcelo Assalin

Marcelo Assalin

Head of Emerging Markets Debt

Erfahrung seit 1996

Business Experience

2015-heute Assalin ist Head of EMD und Lead Portfolio Manager der EMD Blended Strategien/ und des EMD Opportunities Fonds bei NN Investment Partners

2013-2015 Lead Portfolio Manager, EMD Local Currency Strategies, ING IM

2012-2013 Head of Emerging Market Sovereign Debt und Local Currency bei  Voya Financial (vormals ING IM USA).

2008-2011 Senior Portfolio Manager im EMD-Team von ING IM USA

2005-2008 Chief Investment Officer bei ING IM Brasilien (Sulamerica Investimentos)

2002-2005 Lead Portfolio Manager, Fixed Income bei Sulamerica Investimentos

1996-2002 Trader und Portfolio Manager bei Sulamerica (Brasilien)  

Qualifikationen

Chartered Financial Analyst (CFA)

BSc in Wirtschaftswissenschaften und Rechnungswesen der Universität von São Paulo (Brasilien)

Mehr

Mehr